Vortrag von Ivan Cucchi: «Tessiner Pilzausflüge», am 4. April 2022

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Vortrag von unserem Vereins-Pilzobmann und langjährigem Mitglied Ivan Cucchi

Ivan stellte uns hauptsächlich Pilzarten aus einem Auenwald und Überschwemmungsgebiet des mittleren Tessins vor, darunter viele ungewöhnliche. Viele dieser Arten sind in der Deutschschweiz kaum zu finden. Einige sollen hier genannt werden:

– Gelbblättriger Scheinrübling (Callistosporium luteo-olivaceum – auch Gelbblättriger Goldrübling genannt) mit goldfarbenen Lamellen. Er leuchtet in UV-Licht. Ivan fand diese Art auf stark zersetztem Nadelholz. 

– Goldflüssiger Milchling (Lactarius chrysorrheus), unter Eichen wachsend. Am gleichen Ort fand Ivan auch die Amerikanische Eichennetzwanze (Corythucha arcuta), die im Tessin erst seit kurzer Zeit vorkommt.

– Goldgelber Fältling (Pseudomerulius aureus). Im WSL-Verbreitungsatlas gibt es nur wenige Fundmeldungen in der Schweiz, die meisten sind im Tessin eingetragen.

Orangeseitling

– Orangeseitling (Phyllotopsis nidulans). Sein  Doppelgänger ist der Gemeine Muschelkrempling (Tapinella panuoides), ein Braunsporer. Oft sind beide Arten ohne Mikroskop schwer voneinander zu unterscheiden.

– Borstiger Knäueling (Lentinus/Panus strigosus). Er hat Schüppchen auf Hut und Stiel. Seltenes Vorkommen: zwei Fundmeldungen im WSL-Verbreitungsatlas der Schweiz.


– Würzelchen-Trichterling (Rhizocybe pruinosa/Clitocybe pruinosa). Er kann schon im Winter erscheinen, gleicht einem Milchling, ist aber ohne Milch-Absonderung. U.a. ist er auch bei Mooren zu finden.

– Igel-Stäubling (Lycoperdon echinatum).

– Rostroter Körnchenschirmling (Cystoderma granulosum).

– Gemeiner Wetterstern (Astraeus hygrometricus). Bei trockener Witterung schliesst er die sternförmigen Lappen. Diese Pilzart ist am ehesten im Tessin zu finden, sonst eher selten.

– Natternstieliger Schleimfuss (Cortinarius trivialis, Cortinarius collinitus).

– Ziegelgelber Schleimfuss (Cortinarius varius).

– Rosa Schmierling (Gomphidius roseus) und Kuh-Röhrling (Suillus bovinus). Sie sind meist in Gemeinschaft zu finden. Beides sind Mykorrhiza-Pilze, der Rosa Schmierling parasitiert auch das Myzel des Kuh-Röhrlings! Sie wachsen in Kiefernwäldern auf sauren Sandböden.

– Echter Knoblauchschwindling (Mycetinis scorodonius, früher Marasmius scorodonius). Wie der Name es andeutet, mit Knoblauchgeruch. Heute zählt diese Art zur Familie der Ölbaumpilz-Verwandten (Omphalotaceae).

– Grünling (Tricholoma equestre). Er hat noch sehr viele andere Namen, wächst bei Föhren auf sandigem Boden. Heute gilt er als giftig, früher war er ein beliebter Speisepilz.

– Frost-Schneckling (Hygrophorus hypothejus), ein Speisepilz. Er bevorzugt saure Böden bei Fichten. Frassstellen auf dem Hut haben eine rötliche Farbe.

– Fleischroter Gallertbecher (von Auge nicht zu unterscheiden, ob es Ascocoryne sarcoides mit kleineren oder Ascocoryne cylichnium mit grossen Sporen ist). Die Konidienform (asexuelles Stadium) sieht etwas hirnartig aus.

– Kleinsporiger Grünspanbecherling (Chlorociboria aeruginascens). Er macht scheinbar eine “Grünfäule” im Holz, entspricht einer Variante der Weissfäule. Die grüne Farbe ist lichtbeständig und das grüngefärbte Holz wurde früher für Intarsien (dekorative Einlegearbeiten) benutzt.

– Verzweigte Becherkoralle (Artomyces pyxidata).

– Orangefuchsiger Raukopf (Cortinarius orellanus). Der tödlich giftige Pilz kommt im Tessin offenbar häufiger vor als in der Nordostschweiz. 

– Buchen-Adernzähling (Plicatura crispa). Er kann an einem Ast oder Stamm zu Dutzenden vorhanden sein.

– Klebriger Schleierseitling (Tectella patellaris): es gibt nur wenige Fundmeldungen in der Schweiz. Gemäss Stefan Blaser fruktifiziert er während feuchtmilder Phasen im Winter.

– Bischofsmütze (Gyromitra infula), eine recht grosse Lorchelart. Tessiner essen sie nach entsprechender Vorbehandlung. Im Tessin ist sie häufig zu finden, auf Baumstrünken oder zwischen liegenden Baumstämmen.

– Hasen-Röhrling (Gyroporus castaneus): im (südlichen) Tessin verbreitet.

– Kornblumen-Röhrling (Gyroporus cyanescens): im Tessin verbreitet, sonst selten. Auffallend ist der gekammerte Stiel, nach Schnitt durch den Pilz raschstark blauend, eine Variante graut bloss langsam. 

– Zitronenblättriger Täubling (Russula sardonis): eher seltene Art in der Schweiz.

– Espen-Rotkappe (Leccinum aurantiacum).

– Luftalge (Trentepohlia aurea). Sie gehört zu den Grünalgen und riecht in feuchtem Zustand nach Veilchen. Ihre Farbe ist braunrot und sie hat eingelagerte Carotinoide.