Nachruf Claudine Sprenger

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24. Januar 1962 – 20. Februar 2024

Traurig berührt mussten wir von unserem langjährigen, sehr geschätzten Vereinsmitglied Claudine Sprenger Abschied nehmen.

Ihren Familienangehörigen entbieten wir unser herzliches Beileid und wünschen ihnen die notwendige Kraft, diese schwere Zeit durchzustehen.

Claudines Kindheit

Claudine kam als Claudia zur Welt. Die Namensänderung bewirkte Annie, ein Ferienmädchen aus Frankreich. Es sah die im Kinderwagen sitzende Claudia an und sagte: “Claudia? Ça je ne connais pas, ça c’est Claudine!” Ab diesem Zeitpunkt wurde Claudia Claudine genannt.

Claudine widerstrebte es, ein herziges Mädchen zu sein, und mit Puppen zu spielen langweilte sie. Viel lieber streifte sie durch den Wald, watete durch Teiche und kletterte durch Tobel. Dabei beobachtete sie Tiere, entdeckte die Natur und kam jeweils erst am Abend wieder nach Hause.

Kinder und Kindeskinder

Mit 18 Jahren gebar Claudine eine Tochter, Siân, heute ebenfalls Mitglied unseres Vereins. Knapp zwei Jahre danach kam ihr Sohn Florian auf die Welt. Sie war ihnen eine fürsorgliche, zuhörende Mutter und verlässliche Stütze im Hintergrund, die für ihre Kinder jederzeit da war.

Claudine wurde bereits im Jahr 2001 erstmals und im Jahr 2005 zum zweiten Mal Grossmutter von Siâns Söhnen. Sie war damals immer noch so jung, dass, wenn sie mit ihren Enkelkindern unterwegs war, jeder dachte, sie sei deren Mutter!

Ihre beiden Enkel waren ihr genauso wichtig wie ihre eigenen Kinder und sie umsorgte auch diese liebevoll. Sie baute Pfeilbögen, schweifte mit ihnen im Wald herum, machte Feuer und suchte schöne Steine. Glücklicherweise durfte sie beide Enkel bis in deren Erwachsenenalter erleben! 

Ausbildungen und Tätigkeiten

Claudine hatte lange keine Berufsausbildung. Nebst ihrer Aufgabe als Mutter arbeitete sie in verschiedenen sozialen Einrichtungen. Dies führte sie zum Entschluss, die Ausbildung als Sozialpädagogin zu absolvieren, welche sie 1998 abschloss. 

Es folgte eine Ausbildung als Kulturmanagerin, welche sie 2002 erfolgreich beendete. 

Sie arbeitete lange im Asylwesen, wo sie auf die verschiedensten Kulturen und Menschen traf. Anschliessend leitete sie einige Jahre das Jugi in Hombrechtikon und engagierte sich für die Jugendlichen samt deren Problemen und Freuden. 

2009 gründete sie zusammen mit Siân eine Firma, mit der Idee, Kindern sinnvolle Spielplätze zu bauen: >Spiel mit Raum< war geboren.

In den letzten Jahren absolvierte Claudine ein Kunststudium an der >Visual Art School< in Basel, welches sie kurz vor ihrer Krankheit abschloss. 

Fremde Kulturen und Kunst

Bereits als Jugendliche hegte Claudine grosses Interesse für fremde Kulturen, andere Bräuche und Rituale, das sich durch ihr ganzes Leben weiter zog. 

Während ihrer frühen Schulzeit fiel Claudines Talent für das Malen und Zeichnen auf. In ihren Jugendjahren übte sie sich in exaktem Bleistiftzeichnen. Es folgten viele Tuschezeichnungen, die wenn man sie heute sieht, nur erahnen lassen, wie viele Stunden sie gebeugt über ein Blatt Papier Punkt für Punkt und Strich für Strich am Zeichnen war.

Sehr viele ausprobierte Mal- und Zeichentechniken sowie Kursbesuche bereicherten Claudines künstlerisches Schaffen.

Claudine hat ihre Gefühls- und Traumwelt, ihre düsteren aber auch ihre fröhlichen Phasen, ihre Erlebnisse sowie spezielle Orte und Ideen immer auf Papier und Leinwänden festgehalten.

Sie hinterlässt unzählige farbige und schwarzweisse Bilder und Zeichnungen, wo man ins Staunen und Nachdenken kommen kann.

Pilze und Pflanzen

Claudine beschäftigte sich früh schon mit Pilzen und Pflanzen, sammelte Tee-Kräuter und gab ihren Kindern diesbezügliches Basiswissen weiter. Die Pilze wurden ihr immer wichtiger, sodass sie 2016 die Prüfung zur Pilzkontrolleurin erfolgreich absolvierte. Danach half sie in diversen Pilzkontrollstellen aus und gab Pilz-Grundkurse.

Hunde waren ihr als stete Begleiter und Beschützer sehr wichtig. Sie motivierten sie zwangsläufig, auch bei Wind und Wetter hinaus in die Natur, in den Wald zu gehen.

Claudine war sehr aktiv und ging immer offen auf die Menschen zu.

Wer mit ihr bei Treffen des Pilzkundevereins in Kontakt kam, durfte das ebenso erleben: Sie war eine zugewandte, aufmerksame, anteilnehmende, begeisterungsfähige und allseits interessierte Gesprächspartnerin.

Bis Oktober 2022 stand Claudine mitten im Leben, wurde dann aber durch einen bösartigen Tumor auf eine andere Reise geschickt.

Ihr letztes Lebensjahr hat sie lächelnd, nie leidend oder klagend in Angriff genommen. Mit ihrem Hund Ava, der ihr treu zur Seite stand, unternahm sie noch viele Spaziergänge in der Natur.

Sie bekam, wie sie immer wieder selber sagte, einen Blick, den sie so vorher nicht hatte. Sie sah andere Dinge und verabschiedete sich fortlaufend und still von ihrer ganzen Umgebung! 

Im Namen des Vereins für Pilzkunde Zürich
Edith Mächler-Frey

(Angaben und sämtliche Fotos von Siân Sprenger)