Nachruf Erich Bleiker

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18. Januar 1932 – 29. Januar 2022

Überrascht und betroffen vernahmen der Verein für Pilzkunde Zürich, die VAPKO und viele Pilzfreunde vom Ableben unseres geschätzten Mitglieds, ehemaligen Vereinskassiers und Pilzkontrolleurs Erich Bleiker. Seiner Frau Alice und den Angehörigen entbieten wir unser herzliches Beileid und wünschen ihnen in dieser schweren Zeit Kraft und Zuversicht.

Kompetenter Buchhalter

Erich Bleiker wurde 1932 als erstes von sieben Kindern in Mogelsberg (Untertoggenburg) geboren. Seine Eltern bewirtschafteten einen Bauernhof. Als Erich 8 Jahre alt war, wechselten sie den Wohnort nach Hönenschwil, Dicken bei Degersheim. Nach Abschluss der Sekundarschule absolvierte er erfolgreich eine KV-Lehre auf der Gemeindekanzlei in Stafel (Gemeinde St. Peterzell). Danach arbeitete er in verschiedenen Firmen als kompetenter und geschätzter Buchhalter und bildete sich stets in Rechnungswesen weiter.

1959 heiratete er Heidi Wismer. Aus dieser Ehe gingen die beiden Kinder Monika und Stefan hervor.

Nach seiner Scheidung anfangs der 1980ziger Jahre lernte er Alice Bornmann und ihre beiden Töchter Marlene und Bettina kennen. Alice und Erich heirateten 1990 und wohnten fortan in der Stadt Zürich. Bis zu seinem Ableben pflegten sie eine herzliche Beziehung.

Faszination Natur

Erich war ein vielseitig interessiert Mensch und übte verschiedene Hobbys aus. Neben seinem Beruf als Buchhalter fand er in sportlichen Aktivitäten – Skifahren und Skilanglauf, Velofahren sowie auf hochalpinen Bergtouren – einen für ihn idealen Ausgleich.

Besonderes Interesse und Begeisterung weckten in Erich aber schon in frühen Jahren die Natur und ihre Geheimnisse. So engagierte er sich während seiner ersten Ehe im Ornithologischen Verein Hombrechtikon. Manche Vögel erkannte er bereits an ihrem Gesang, Spechte sogar nur auf Grund ihres charakteristischen Klopfens. Aber auch Pflanzen bestimmte er gerne und seine erste Ehefrau brachte ihn zu seiner späteren Leidenschaft, den Pilzen. So erstaunt es nicht, dass er dem Pilzverein Region Pfannenstiel als aktives Mitglied beitrat, gefolgt von seiner zweiten Ehefrau Alice, die sich von ihm für Pilze begeistern liess. 

1997 wechselten beide zum Verein für Pilzkunde Zürich. Als früherer Buchhalter stellte Erich sein profundes Wissen im Rechnungswesen dem Verein während mehrerer Jahre als Kassier zur Verfügung. 1999 bestand er die VAPKO-Prüfung zum Pilzkontrolleur in Landquart am Plantahof mit Bravour und war während rund 20 Jahren für die Stadt Zürich als ebenso gewissenhafter und kompetenter wie geschätzter und beliebter Pilzkontrolleur tätig.

Mit seinem geschulten Auge bewahrte er wohl einige Sammlerinnen und Sammler vor schmerzhaftem Bauchgrimmen und Schlimmerem. Erich gab sich aber nicht damit zufrieden, Speisepilze und ihre giftigen Doppelgänger bei der Kontrolle sicher zu unterscheiden. Sein Ehrgeiz war, auch viele andere Pilzarten exakt zu bestimmen.

Grosses mykologisches Wissen

Die ganzjährig am Montag stattfindenden Bestimmungsabende im Pilzverein besuchten Erich und Alice regelmässig und beteiligten sich aktiv am Vereinsleben. Weil ihnen die stetige Weiterbildung am Herzen lag, nahmen sie auch jedes Jahr an der Studienwoche des Vereins für Pilzkunde Zürich teil. Aber auch die Studienwoche des VSVP in Escholzmatt (Entlebuch) besuchten sie oft.

Mit den Jahren eignete sich Erich grossenteils im Selbststudium ein breites mykologisches Wissen sowohl auf der makro- wie auf der mikroskopischen Ebene an. Dabei hatten es ihm besonders die Gattungen der Saftlinge, Täublinge und Risspilze angetan. 

Viele Mitglieder des Vereins für Pilzkunde Zürich konnten auch von Erichs und Alices gesammelten und zum Teil seltenen Pilzarten profitieren.

Erwähnt sei beispielsweise der heute gemäss Verordnung über den Natrur- und Heimatschutz geschützte Rosarote Saftling (Hygrocybe calyptriformis), den sie auf einer Magerwiese in Elm / GL gefunden hatten. Darüber hinaus kartierten sie viele ihrer Pilzfunde vor allem aus und in der näheren Umgebung der Stadt Zürich (Friedhof Sihlfeld und Uetliberg) für den Atlas Pilze der Schweiz der Eidg. Forschungsanstalt für Wald Schnee und Landschaft (WSL).

Engelsgeduld

Es erstaunt daher nicht, dass Erich an den Bestimmungsabenden im Verein von manchen Mitgliedern regelrecht bestürmt wurde, die von ihm wissen wollten, was sie da selbst so alles gefunden hatten.

Mit der für ihn typischen Engelsgeduld erklärte Erich jedem und jeder von ihnen dann ihre Funde.

Und konnte er einen Pilz nicht gleich ansprechen, nahm er ihn mit nach Hause zur genaueren Abklärung. Die wissbegierigen Finder erhielten dann zwei bis drei Tage später, wenn die Pilze abgesport hatten, eine E-Mail von ihm mit deren exakten Bestimmung – oder ausnahmsweise mit der Bemerkung: „lässt sich nicht bestimmen, keine Sporen vorhanden.“

Elf Tage nach seinem 90. Geburtstag, den er im Kreis seiner Angehörigen in vollen Zügen geniessen konnte, verstarb Erich Bleiker am 29. Januar dieses Jahres. 


Dem Reich der Pilze galt seine grosse Leidenschaft, mit der er viele künftige Pilzler begeistern und bilden konnte. Wir behalten ihn als naturverbundenen, liebenswerten und engagierten Pilzkameraden in Erinnerung!

Im Namen des Vereins für Pilzkunde Zürich

Hans-Peter Neukom

Streifzug durch Erichs Lieblingsgattungen…    

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Lieblingsgattungen